1. – 2. Schuljahr

Sonja Kantus. Bearbeitung: Petra Wittmann

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf

Eine Unterrichtsidee für die Klassenstufen 1 und 2

Ein vertrautes Bild vom verlorenen Schaf und vom guten Hirten „Wo die Bibel von Gott redet, redet sie menschlich.1 In der Gleichnisrede Jesu werde ich als Mensch emotional angesprochen, mit hineingenommen in diese Sprache, werde selber sprachfähig, von den Begegnungen mit dem Göttlichen in meinem Leben zu sprechen, weil ich einer menschlichen Sprache begegne. Es sind Hoffnungserzählungen, die Mut machen, Glauben schenken, Vertrauen stärken und neue Blickwinkel auf mein Leben ermöglichen. Die Rede Jesu über die Liebe Gottes zu den Menschen erfolgt vor allem in Gleichnissen, so auch in dem Gleichnis vom verlorenen Schaf oder dem guten Hirten.2 Dies kann in Klasse 1 und 2 der Grundschule fruchtbar gemacht werden.

Ich schätze dieses Gleichnis, weil es ein so gängiges und vertrautes Bild enthält. Ich entdecke das Bild des Hirten mit seinem Schaf an Kirchengebäuden, in Gemälden, in Gebeten und Segensformulierungen und erlebe bei der eigenen Verkündigung, dass Menschen sich bis ins hohe Alter von dem Bild des Hirten, der seine Schafe behütet, ansprechen lassen. Es trägt in meinem Glauben und verbindet Generationen und Geschlechter und spricht so etwas wie Urbilder oder Urerfahrungen des Menschen an.
Es löst eine unheimliche Bandbreite und Fantasie aus und fordert zu sehr vielen Fragen heraus. Die wenigen Verse lassen das Gleichnis an vielen Stellen offen. Diese Offenheit möchte ich den Schülerinnen und Schülern lassen. Lediglich die Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen, die der Hirte durch sein sorgendes Verhalten zeigt, soll wegweisend sein. Ich möchte meinen SuS von diesem Gleichnis erzählen und es ihnen ermöglichen, Spuren der Liebe Gottes auch in ihrem eigenen Leben nachzugehen.
Unterrichtsbaustein
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf 1 DS
Die Stunde fand innerhalb der Einheit „Mit Jesus auf dem Weg3 statt. Vor dieser Stunde setzten sich die SuS anhand von Christusdarstellungen der bildenden Künste mit der Frage „Jesus wer bist du? auseinander, lernten dann die Geschichte von Jesu Taufe und den Gottessohn-Titel kennen. Es folgte ein Kennenlernen der Lebensumwelt der Menschen zur Zeit Jesu. Hier wurde darauf geachtet, dass die SuS die Aufgaben des Hirtenberufes gut nachvollziehen können, da dies heute nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann. Als Nachfolgegeschichte setzten sich die SuS mit Levi auseinander und überlegten anhand der Geschichte der Begegnung Maria Magdalenas mit Jesus und der Kindersegnung, was Menschen bei Jesus Vertrauen finden lässt.
In einer weiteren Stunde wurden die SuS anhand Psalms 23 in die Bildwelt des Hirten und seiner Schafe genommen. Sie lernten das Bild für Gott als Hirten kennen. Hier schließt sich nun die dargestellte Stunde an. In einer die Einheit abschließenden Stunde überlegen die SuS, wie sich ihr Bild von Jesus im Blick auf die erste Stunde der Einheit geändert hat. Sie geben eine Antwort auf die Frage „Jesus wer bist du für mich?.
Vorüberlegungen zur Stunde
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf ist das erste von drei Gleichnissen, die die Suche von etwas Verlorenem und die Freude des Wiederfindens thematisieren (Vom verlorenen Groschen Vv. 8-10 und vom verlorenen Sohn Vv. 11-32). Für die Erzählung des Gleichnisses „Vom verlorenen Schaf (Lk 15, 1-7) habe ich die Lutherbibel 2017 verwendet, aber entschieden, die Verse 1-3 und Vers 7 aus der Erzählung herauszunehmen, um einer Engführung oder vorgegebenen Deutung vorzubeugen und dem Gleichnis seine Offenheit für kindgemäße Zugänge zu bewahren.
Ausgewählt habe ich eine Erzählmethode, bei der die SuS mögliche Umstände rund um das Verlorengehen und Wiederfinden und damit zusammenhängende Deutungen selbst einbringen können und sollen. Gleichzeitig lege ich der Erzählung folgende (mögliche) Aussage des Gleichnisses zugrunde: Die Parabel erzählt...

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