1. – 13. Schuljahr

Friedrich Schweitzer

Gott und die Welt neu sehen lernen

Schwierigkeiten und Wege religionspädagogischenRedens von Gott in Gleichnissen

Neutestamentliche Gleichnisse gehören zu den Texten, von denen für Religionsunterricht und Religionspädagogik immer wieder eine besondere Faszination ausgegangen ist. Sind die eindrücklichen Bilder und lebendigen Geschichten nicht geradezu prädestiniert für den Gebrauch mit Kindern und Jugendlichen? Bieten sie nicht einen einmaligen Zugang zur Bibel für junge Menschen, die sonst vielleicht nur schwer ein Verhältnis zu biblischen Zusammenhängen und Sichtweisen finden?

So kann es nicht erstaunen, dass die neutestamentlichen Gleichnisse auch einen festen Platz in den Bildungsplänen für den Religionsunterricht gefunden haben. Oft wird sogar eine eigene Unterrichtseinheit zu Gleichnissen ausgewiesen, in Baden-Württemberg traditionell für Klasse 5/6.1 Erfahrungen im Religionsunterricht wie auch wissenschaftliche Untersuchungen machen jedoch auch deutlich, dass Unterricht zu und mit Gleichnissen in der pädagogischen Realität nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.2 Immer wieder stellte die metaphorische Sprache für die Kinder und auch noch für Jugendliche offenbar eine besondere Herausforderung dar, und ob sie dann auch verstehen, was in einem Gleichnis gemeint ist, ist keineswegs sicher auch nicht am Ende einer entsprechenden Unterrichtseinheit. Sodann: Was genau bedeutet es eigentlich, wenn von dem in einem Gleichnis „Gemeinten gesprochen wird? Die neuere Gleichnisauslegung hat nachhaltig in Zweifel gezogen, dass es sich bei Gleichnissen um eine Art ausschmückende Rede handele und dass die exegetische und religionsdidaktische Aufgabe darin bestehe, die gleichnishafte Sprache wieder in „normale Begriffe zu übersetzen.3 Eine in früheren Zeiten mitunter geläufige Merksatz-Didaktik ginge daran natürlich vorbei. Aber wie kann und soll die Religionsdidaktik den Stand der neueren Gleichnisauslegung aufnehmen? Lassen sich gleichnisexegetische Erkenntnisse einfach in gleichnisdidaktische Ansätze übersetzen?
Der mir vorgegebene Untertitel dieses Beitrags spitzt die Thematik dabei auf das Reden von Gott zu. Gleichnisse sollen demnach nicht etwa als Aussagen über den Menschen oder über richtiges Handeln im Sinne der Ethik aufgenommen werden. Doch ist es gerade für die Gleichnisse bezeichnend, dass Gott, Mensch und Welt hier nicht voneinander getrennt werden. Der von mir gewählte Titel „Gott und die Welt neu sehen lernen soll dies zum Ausdruck bringen. Im Sinne der neuen Gleichnisauslegung formuliert: In den Gleichnissen kommt Gott so zur Welt, dass diese Welt verändert wird.
Probleme und Herausforderungen für das Unterrichten mit Gleichnissen
  • Die grundlegende und deshalb erste Herausforderung für das Unterrichten mit Gleichnissen besteht naturgemäß darin, wie Kinder und Jugendliche die Gleichnisse verstehen. Zugespitzt: Verstehen sie die Gleichnisse überhaupt oder ist eher von einem Missverstehen auszugehen? In neuerer Zeit wird diese Herausforderung vor allem vor dem Hintergrund der Rezeptionsforschung sowie der Entwicklungspsychologie diskutiert. Zentraler waren hier die empirischen Untersuchungen von Anton Bucher und Fritz Oser, durch die sich die Religionsdidaktik vor das Problem gestellt sieht, dass Kinder und Jugendliche Gleichnisse (wie auch andere biblische Texte) aktiv auslegen und dass sie dabei zu einem Verständnis gelangen, das sowohl von dem exegetisch gewonnenen Verständnis wie auch von dem unterrichtlich angezielten Verständnis abweicht und diesen im Extrem sogar widerspricht.4 Eines der eindrücklichsten Beispiele dafür ist die von einem Kinde geäußerte Auffassung, Jesus habe das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg erzählt, damit die Menschen wissen, wie man es nicht machen solle. Die Bezahlung im Gleichnis sei unfair Gott aber sei fair!5Dass Kinder Fehler machen und etwas missverstehen, gehört zu jedem Unterricht....

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